Egal, ob du diese Emotion in deinem eigenen privaten Leben erlebst, oder ob du beruflich damit zu tun hast – für den “richtigen” Umgang mit Traurigkeit und Trauer gibt es kein Standardvorgehen. Es kommt statt dessen darauf an, sehr offen und genau herauszufinden, was für dich und für die Situation wirklich passt.

Ich glaube, daß fast alle unsere Traurigkeiten Momente der Spannung sind, die wir als Lähmung empfinden, weil wir unsere befremdeten Gefühle nicht mehr leben hören. Weil wir mit dem Fremden, das bei uns eingetreten ist, allein sind, weil uns alles Vertraute und Gewohnte für einen Augenblick fortgenommen ist; weil wir mitten in einem Übergang stehen, wo wir nicht stehen bleiben können. Darum geht die Traurigkeit auch vorüber: das Neue in uns, das Hinzugekommene, ist in unser Herz eingetreten, ist in seine innerste Kammer gegangen und ist auch dort nicht mehr, – ist schon im Blut. Und wir erfahren nicht, was es war. Man könnte uns leicht glauben machen, es sei nichts geschehen, und doch haben wir uns verwandelt, wie ein Haus sich verwandelt, in welches ein Gast eingetreten ist. Wir können nicht sagen, wer gekommen ist, wir werden es vielleicht nie wissen, aber es sprechen viele Anzeichen dafür, daß die Zukunft in solcher Weise in uns eintritt, um sich in uns zu verwandeln, lange bevor sie geschieht. Und darum ist es so wichtig, einsam und aufmerksam zu sein, wenn man traurig ist: weil der scheinbar ereignislose und starre Augenblick, da unsere Zukunft uns betritt, dem Leben so viel näher steht als jener andere laute und zufällige Zeitpunkt, da sie uns, wie von außen her, geschieht. Je stiller, geduldiger und offener wir als Traurige sind, um so tiefer und um so unbeirrter geht das Neue in uns ein, um so besser erwerben wir es, um so mehr wird es unser Schicksal sein, und wir werden uns ihm, wenn es eines späteren Tages ‘geschieht’ (das heißt: aus uns heraus zu den anderen tritt), im Innersten verwandt und nahe fühlen. Und das ist nötig.

Rainer Maria Rilke, 
aus einem Brief an Franz Xaver Kappus
Borgeby gård, Flädie, Schweden,  
am 12. August 1904

Was ändert sich in deiner unmittelbaren Lebenswelt?

Wie kann es dir gelingen, innerlich voll und ganz ja zu sagen?

Was im Trauernden liebt weiter?

Wie kannst du einen würdigen Übergang gestalten?

Wonach sehnt sich das Lied, das traurig in dir weiter singt?

Traurigkeit ist die sich an sich selbst erinnernde Sehnsucht nach dem Leben.

Nimm deine Aufmerksamkeit zu dir und nimm achtsam wahr, wie es sich jetzt anfühlt.